Sergio Moscona

“Im Dickicht  der Städte”
AUSSTELLUNG von 15.04 bis 22.06 2016

Now sergio
Ein kritischer Geist aus Argentinien

¡Sergio!

Ich  sitze mit dir im Bus, der uns aus dem Zentrum von Buenos Aires an einen Ort bringt, den ich nie im Leben wiederfinden werde. Ich weiss nur, dass wir nach einer Stunde aussteigen müssen – aber wo und warum? Am Fenster gleiten bizarre Szenerien vorüber, Erinnerungen an Paris, New York, Potemkinsche Dörfer, polnische Schtetl oder neapolitanische Vorstädte – Orte, die ich kenne und andere, die ich mir vorstelle oder von denen ich nur träume. Die Menschen im Bus schauen vor sich hin, ohne etwas zu sehen. Sie wirken zu erschöpft oder desillusioniert, um noch zu spüren, was tief in ihrem Inneren brennt.

Aber etwas geschieht mit der Frau im Gang, die aus Neugier oder Langeweile auf das blickt, was sich unter deiner Hand auf dem Zeichenblock formt. Der Mann neben ihr faltet seine Zeitung zusammen und tut so, als nehme er nicht wahr, was du mit vibrierendem Bleistift aufs Papier zauberst. Eine Faust schiesst empor aus dem weissen Meer wie ein Baumstumpf, der aus einem Schneefeld ragt. Die Faust stösst auf einen Kopf. Der Kopf hat zwei Gesichter – oder sind es drei? Erschrockene und erschreckende Augen, leere Blicke, die durch den Betrachter hindurchsehen in eine unsichtbare Ferne. Eine Hand packt einen Hals. Aggression oder Umarmung? Linien beherrschen das Blatt, trennen und verbinden; sind Risse, Pfeile, Netze. Düstere Schatten verbergen und locken.

Die Frau im Gang, der niemand einen Platz anbietet, hofft nun nicht einmal darauf. Sie beugt sich vor, um besser sehen zu können. Der Bus schlingert, möchte sie abschütteln, all diese Menschen mit ungewissem Ziel. Aber die Frau hält sich fest, fixiert jede Bewegung des Bleistiftes. Der Mann neben ihr bewundert aus sicherer Distanz. Er wettet mit sich selbst, was wohl noch auf dem Papier entstehen werde. Aber langsam, fast unmerklich, verändert sich sein Gesicht  –  wie auch das Gesicht der Frau: ein Lächeln, eine Freude wie sie ein Kind empfindet, das ein unerwartetes Geschenk erhält. Natürlich nehmen sie wahr, dass deine Zeichnung etwas zeigt, das sie jeden Tag sehen – vielleich erkennen sie sich sogar selbst darin wieder. Aber während sie dir bei der Arbeit zuschauen, spüren sie auch, dass Kunst nicht nur zeigt, was man sieht, sondern auch das, was man nicht sieht oder so nicht sieht.

Die Frau verlässt den Bus. Beim Aussteigen dreht sie sich noch einmal um und nickt anerkennend, zufrieden mit sich selbst. Als auch wir schliesslich irgendwo angelangt sind, folgt uns der Mann, bleibt aber an der Tür im Bus stehen. Offenbar möchte er sich nicht anmerken lassen, dass er schon längst an seiner Haltestelle vorbeigefahren ist.

Zum ersten Mal sah ich seine Bilder in einer Gruppenausstellung argentinischer Künstler in Guayaquil. Ich war mit einem jungen Vernissage-Besucher ins Gespräch gekommen. “Schau dir das an”, rief ich enthusiastisch. “Das ist es!” Ich erging mich über die ästhetische Kraft und Frische dieser Bilder, über den scharfen Blick auf Macht und Gewalt, Lüge und Heuchelei, Vereinsamung, Armut, Tristesse – auf all die brutalen und grotesken Rituale unseres tragik-komischen Welttheaters. (“Die Welt ist bloss Theater”, heisst eines dieser Bilder.) Ich erwähnte George Grosz und seine entlarvenden Attacken auf die “Stützen der Gesellschaft”. Denn in diesen Zeichnungen aus Argentinien tauchen sie wieder auf, die Militärchefs und Wirtschaftsbosse – wenn auch anonymer, wie aus dem Hintergrund agierend, und äusserlich kaum zu unterscheiden von ihren Opfern.

Militärherrschaft und Wirtschaftsbankrott sind in diesen Bildern noch ebenso gegenwärtig wie im Alltag von Buenos Aires. Wir sehen Obdachlose, die sich in ihrem Elend fragen: “Betteln oder stehlen?” Eine Serie mit dem Titel “Unsere Namen” zeigt die Grossmütter der Plaza de Mayo mit den Fotos ihrer Männer, Kinder, Enkel, die von den Schergen der Diktatur abgeholt wurden und nie wieder auftauchten. Unter eines seiner Bilder hat der Künstler geschrieben: “Nicht Schwamm drüber!”

Daneben Zustandsbeschreibungen einer urbanen Welt, Verhältnisse und Verhalten in den eigenen oder fremden vier Wänden, in Bussen, Bars und auf der Strasse – eine Kunst der Metropolen. Die Zeichnung ist die treibende Kraft dieser Kunst. Im Zusammenwirken mit Malerei und Collage entstehen formal und inhaltlich spannende Bilder, die uns nicht  loslassen, Bilder, die uns die Augen öffnen – und das Herz.

Ich lobte also das Talent dieses jungen – wie hiess er noch – ah ja : Moscona! Welch erstaunliche Professionalität und künstlerische Reife für einen von gerade mal 28 Jahren! ( Damals konnte ich nicht wissen, wie bald er sich übertreffen würde.) Dann noch rasch über die kaum gewürdigte Tradition der argentinischen Kunst, deren Protagonisten an den internationalen Kunstbörsen unter Wert oder gar nicht gehandelt werden undsoweiterundsofort – was man eben so auf Vernissagen zum besten gibt. Aber mein junger Gesprächspartner – oder besser Zuhörer – schaute mich nur an und lachte vergnügt: “Die Bilder sind von mir” – sagtest du, Sergio!

The beginning of a wonderful friendship. Aber als wir in Buenos Aires im Bus sassen und du die Menschen zeichnetest, entdeckte ich, dass du viele Freunde hast: Alle, die deine Bilder sehen – oder sagen wir lieber fast alle. Denn die, denen du zu genau ins Gesicht oder auf die Finger schaust, wollen sich nicht so sehen wie sie sind. Weshalb auch immer mal wieder Bilder verbrannt und Spiegel verhängt werden.

Klaus Goldinger    (Dokumentarfilmer)  Ecuador 2008

 

 

 

Gustavo LOPEZ ARMENTIA

Bilder. Skulpturen

Ausstellung vom 19.08 bis 15.10.2016

“Nachrichten aus einer anderen Welt”

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Am 19.9. startete in der Andes-Gallery an der Baselstrasse eine neue Ausstellung mit einer Vernissage.

Gezeigt werden Werke des 1949 in Buenos Aires geborenen Künstlers Gustavo López Armentia, der zugleich als Skulpteur und als Maler tätig ist.

Die bevorzugten Werkstoffe für seineSkulpturen sind Metall und Recyclingmaterialien. Das Interesse von López Armentia gilt dem Flüchtigen wie auch dem Beständigen, das sich in den Episoden und den Dingen des Alltags widerspiegelt. Meist spielen

sich seine Themen im Raum und Zeit der Stadt ab, und sein Werk bildet so das Weltliche, das Profane ab, stets durchsetzt von den Träumen und Wünschen der Menschen. Das Werk des argentinischen Künstlers wurde bereits in zahlreichen Galerien gezeigt, unter anderem in der Reece Gallery in New York (1999) und der Galería Altera in Buenos Aires (2000). Innerhalb einer Gruppenaus- stellung präsentierte er seine Werke auch an der Biennale in Venedig (1997) und an der zweiten Biennale Mercosur in

Porto Alegre, Brasilien. Auch in den Dauerausstellungen im Kunst- museum Buenos Aires, dem Kunstmuseum Rio de Janeiro, dem Instituto de artes populares Quito in Peru und dem Alvar Aalto Museum Jyväskylä in Finnland sind Werke von López

Armentia zu sehen – um nur einige Institutionen zu nennen. Demnächst wird im Kunstmuseum Buenos Aires auch die Hommage an den Künstler Horacio de La Carcova mit dem Kunstwerk «Sin pan y sin trabajo» (Kein Brot und keine Arbeit) zu sehen sein.

Cecilia Carreras

Bilder

Ausstellung vom 21.10 bis 03.12.2016

“Ich und mein Schatten”

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Cecilia Carreras

Ich und mein Schatten

Bilder • Paintings

Ein Mensch, sein Schatten und ein Tier-Hund sind die drei Haupt guren dieser Reise durch
den persönlichen Mikrokosmos einer unheimlichen, von der argentinischen
Künstlerin Cecilia Carreras (Buenos Aires, 1967) dargebotenen Wirklichkeit. Wir sehen auch Spiegel, wiederholte Gestalten, Zweiheiten, welche, wie der Schatten, andere Daseinsbereiche nahelegen. Und zwar auf eine verbluffend offene, unmittelbarere Weise: anonyme Wanderer, von denen wir kaum mehr als die Füße wahrnehmen, gehen hin, halten sich auf, bleiben unschlüssig, auf einem ungewissen, „beckettischen“ Herumschlendern mit der einzigen, unbequemen und stillen Gesellschaft einer Schatten und manchmal des Tier-Hundes, Personi zierung einer nicht immer leicht zu fassenden Zweiheit (man merke die chromatische Entsprechung). Wir sehen die Straßenzeichen, deutliche normative Hinweise, die von einer „festgesetzten Ordnung“ aber auch von einem Überschreiten sprechen. Mensch, Schatten und Tier-Hund, wo gehen sie hin? Warum bleiben sie stehen? Woran zweifeln sie? Sind sie dieselbe Wirklichkeit?

Viele Fragen und viele Antworten einer Ausstellung, die im Unmittelbaren und Alltäglichen ein waches Nachdenken über das eigene Werden zu den vermag.

Victor CHAB

Bilder

Ausstellung vom 09.12 bis 18.03.2017

“Retrospektive”

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Víctor Chab

Retrospektive

Bilder

Víctor Chab wurde am 6. September
1930, in der Stadt Buenos Aires als Sohn einer jüdischen Migrantenfamilie geboren. Seine Eltern stammten aus Damasco
und nachdem sie einige Jahre in Cuba verbrachten, wanderten sie nach Argentinien aus, wo sie einen Laden betrieben.
Schon mit 13 Jahren, kurz nach Beendigung der Grundschule, entdeckte Chab seine Leidenschaft für das Malen.Víctor Chabs begann seinen künstlerischen Weg in
einem entscheidenden Moment für die Entwicklung der argentinischen Kunst:
die 50er Jahre, die schon den künstlichen Reichtum der 60er Jahre bereiteten. Der Dichter, Kritiker und Geschichtsforscher Aldo Pellegrini bezeichnete diese Zeit als „der dritte Moment der innovativen und avantgardistischen Einbeziehungen“.
Früher, Mitte der zwanziger Jahre, war
die Zeit der Schule von Paris und den Kunstbewegungen Madi und konkreter Kunst (1944).

 

DIE KüNSTLER der GALERIE

Sergio MOSCONA- Gustavo LOPEZ de ARMENTIA -Victor CHAB- Miguel DAVILA

Bilder Skulpturen

Ausstellung vom 01.04 bis 27.05.2017

Von den Künstlern der Galerie Sergio Moscona, Gustavo Lopez Armentia, Victor Chab und Miguel Dávila werden Bilder, Skulpturen und Zeichnungen zu sehen sein, die in dieser Schau in einen Dialog treten werden. Während Werke von Moscona, Lopez Armentia und Chab bereits in der Riehener Galerie gezeigt wurden, kommen jene von Miguel Dávila neu hinzu. Miguel Dávila (1926–2009) stammt aus der argentinischen Stadt La Rioja. An der Universität von Tucumán begann er seine künstlerische Ausbildung in den Fächern Malen, Druckgrafik und Zeichnen. 1952 zog er nach Buenos Aires, wo seine Künstlerkarriere ihren Anfang nahm. 1958 wurde er Direktor des Kunstmuseums von La Rioja und dank eines Stipendiums konnte er 1961 zusammen mit Rómulo Macció, Ernesto Deira, Luis Felipe Noé und Jorge de la Vega nach Paris reisen, wo er Teil der künstlerischen Bewegung der «Neo-Figuración» wurde. 1963 kehrte Dávila nach Buenos Aires zurück. Er konnte zahlreiche Auszeichnungen entgegennehmen, stellte seine Werke in noch zahlreicheren Einzel- und Gruppenausstellungen aus und begann schon in den 1960er-Jahren zu unterrichten. Ein neueres Format seiner schöpferischen Ausdruckskraft war der Film; zwischen 1981 und 1985 drehte Dávila 16 Super-8-Kurzfilme. Seine Werke sind in verschiedenen Museen und Privatsammlungen in Argentinien und auch ausserhalb zu finden

 

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Isabel ESPINOZA

“RESONANZEN ” Bilder

Ausstellung vom 03.06 bis 27.08.2017

Isabel

 

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